In diesem Wissensartikel informieren wir über:
- Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?
- Welche Ursachen kann eine Schilddrüsenüberfunktion haben und wie wird sie behandelt?
- Welche Symptome treten bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) auf?
- Diagnose: Wie wird eine Schilddrüsenüberfunktion festgestellt?
- Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Schilddrüsenüberfunktion?
- Viele Patienten suchen alternative Ansätze - was kann man ergänzend und vorbeugend tun?
- Fazit
- Häufige Fragen zur Schilddrüsenüberfunktion
Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?
Bei einer Schilddrüsenüberfunktion produziert die Schilddrüse zu viel von den Schilddrüsenhormonen T3 (Thyroxin) und T4 (Trijodthyronin). Die Schilddrüse ist also überaktiv. Da das Miniorgan den Stoffwechsel des Körpers steuert, wird auch dieser massiv beschleunigt und das sorgt für die typischen Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion.
Wer ist Dr. Wolfgang Köhler? Unser Experte im Überblick
Dr. Wolfgang Köhler ist Facharzt für Nuklearmedizin mit Spezialisierung auf Schilddrüsenerkrankungen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen wie Über- und Unterfunktion sowie Schilddrüsenknoten. Darüber hinaus verfügt er über Erfahrung in modernen Verfahren wie der Thermoablation. In seiner Arbeit verfolgt er einen ganzheitlichen Ansatz, der neben der Schilddrüse auch das Immunsystem und die Rolle von Mikronährstoffen berücksichtigt.

Im Interview: Dr. Wolfgang Köhler beantwortet die wichtigsten Fragen zur Schilddrüsenüberfunktion
Welche Ursachen kann eine Schilddrüsenüberfunktion haben und wie wird sie behandelt?
Dr. Wolfgang Köhler: Es gibt vielfältige Ursachen für eine Überfunktion der Schilddrüse, über 90 Prozent der Fälle werden allerdings durch Morbus Basedow (auch als Basedowsche Erkrankung bekannt) oder durch eine Autonomie verursacht:
- Die Basedowsche Krankheit ist eine Autoimmunerkrankung, wobei das Immunsystem hier Abwehrstoffe gegen körpereigenes Gewebe produziert. Im Falle der Schilddrüse wird der TSH Rezeptor angegriffen und die Schilddrüsenzellen bilden vermehrt Hormone. Die Krankheit tritt verstärkt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf, Frauen sind besonders häufig davon betroffen.
- Eine funktionelle Autonomie bedeutet, dass Teile der Schilddrüse (oder die gesamte Schilddrüse) selbstständig Hormone produzieren, die wiederum den gesamten Kreislauf durcheinanderbringen, da sie nicht mehr durch die Hirnanhangdrüse gesteuert werden. Hiervon sind vor allem ältere Menschen betroffen.
Welche Symptome treten bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) auf?
Dr. Wolfgang Köhler: Bei einer Überfunktion der Schilddrüse sind die Anzeichen klarer als bei einer Unterfunktion. Da die Symptome meist heftiger sind, lässt sich eine Überfunktion auch schneller erkennen:
- starkes Schwitzen
- Gewichtsabnahme
- schneller Puls
- erhöhter Blutdruck, zittrige Unruhe
- Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen
- Verdauungsstörungen, Durchfall
Diagnose: Wie wird eine Schilddrüsenüberfunktion festgestellt?
Dr. Wolfgang Köhler: Im ersten Schritt werden die für die Schilddrüse relevanten Werte über das Blut untersucht, in erster Linie der TSH Wert und die beiden Schilddrüsenhormone T3 und T4. Der TSH Wert ist der erste Faktor, der sich verändert, er sinkt bei einer Überfunktion ab. Erst dann zeigen im Normalfall der T3 sowie der T4 Wert erhöhte Werte. Mit weiteren Untersuchungen wird die verursachende Krankheit diagnostiziert. Hierbei kommen Ultraschall bzw. weiters die Schilddrüsenszintigrafie zum Einsatz.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Schilddrüsenüberfunktion?
Dr. Wolfgang Köhler: Die Auswahl der Behandlung hängt von der verursachenden Krankheit sowie von der Stärke der Überfunktion ab. Ist es eine stressbedingte und leichte Überfunktion, können möglicherweise eine Veränderung der Lebensumstände sowie Ernährung eine Verbesserung bewirken.
Grundsätzlich wird eine Überfunktion mit Medikamenten behandelt, welche die Schilddrüse bremsen. Dies ist allerdings nicht lebenslang, sondern maximal an die zwei Jahre sinnvoll. Wird die Überfunktion bis dahin nicht unter Kontrolle gebracht, braucht es eine andere Lösung.
Und dafür gibt es mehrere Therapieansätze:
- Operation: Teil- oder gesamte Entfernung der Schilddrüse. Das ist abhängig von der Ursache. Bei der Basedowschen Erkrankung wird eine komplette Entfernung durchgeführt, bei einer Autonomie hingegen nur der verursachende Gewebeteil. Nach einer Operation ist meist die Einnahme eines Schilddrüsenhormons notwendig.
- Radiojodtherapie: Diese wird hauptsächlich dann eingesetzt, wenn die Ursache beispielsweise in der Basedowschen Krankheit oder in heißen Knoten zu finden ist. Dabei werden zielgerichtet jene Zellen zerstört, die zu viele Schilddrüsenhormone produzieren. Die Radiojodtherapie kann anstatt einer Operation eingesetzt werden.
- Thermoablation: Hierbei werden Schilddrüsenknoten gezielt verödet. Auch diese Therapieform kann anstatt einer Operation eingesetzt werden.
Viele Patienten suchen alternative Ansätze - was kann man ergänzend und vorbeugend tun?
Dr. Wolfgang Köhler: Das kann ich aus meiner täglichen Arbeit nur bestätigen. Wir setzen in unserer Praxis auf ganzheitliche und kombinierte Therapieformen, da wir damit die besten Behandlungserfolge erzielen. Und dazu gehören auch ergänzende Mikronährstoffe.
- Besonders Vitamin C, A und Selen sind wesentlich für eine gesunde Schilddrüse.
- Jodreiche Ernährung sollte vermieden werden (jodhaltiges Salz, Meeresfische usw.).
- Stressfaktoren bewusst machen und reduzieren.
- Kaffee und Alkohol sind zusätzliche Stressfaktoren für das Nervensystem und sollten idealerweise weggelassen werden.
Fazit
Eine Schilddrüsenüberfunktion entsteht meist durch Morbus Basedow oder eine funktionelle Autonomie und führt durch den beschleunigten Stoffwechsel zu deutlich spürbaren Symptomen wie Herzrasen, Gewichtsverlust oder Unruhe. Die Diagnose erfolgt vor allem über Blutwerte und bildgebende Verfahren. Je nach Ursache und Ausprägung stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung – von Medikamenten bis hin zu Radiojodtherapie oder Operation. Ergänzend können ein bewusster Lebensstil, Stressreduktion und eine gezielte Versorgung mit Mikronährstoffen unterstützend wirken.
Häufige Fragen zur Schilddrüsenüberfunktion











