In diesem Wissensartikel informieren wir über:
- Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?
- Welche Ursachen kann eine Schilddrüsenunterfunktion haben und wie wird sie behandelt?
- Welche Symptome treten bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) auf?
- Diagnose: Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt?
- Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Schilddrüsenunterfunktion?
- Schilddrüsenunterfunktion und Kinderwunsch: Gibt es da einen Zusammenhang?
- Expertentipp: Was kann ich generell tun, um meine Schilddrüse bestmöglich zu unterstützen?
- Fazit
- Häufige Fragen zur Schilddrüsenunterfunktion
Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion werden von der Schilddrüse weniger Hormone produziert, als der Körper benötigt. In der Folge treten verschiedenste Symptome auf, die jedoch relativ unspezifisch sind. Genau das macht es auch so schwierig bzw. genau deshalb wird eine Unterfunktion oftmals spät erkannt. Zu Beginn treten außerdem oft nur geringe Beschwerden auf.
Wer ist Dr. Wolfgang Köhler? Unser Experte im Überblick
Dr. Wolfgang Köhler ist Facharzt für Nuklearmedizin mit Spezialisierung auf Schilddrüsenerkrankungen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen wie Über- und Unterfunktion sowie Schilddrüsenknoten. Darüber hinaus verfügt er über Erfahrung in modernen Verfahren wie der Thermoablation. In seiner Arbeit verfolgt er einen ganzheitlichen Ansatz, der neben der Schilddrüse auch das Immunsystem und die Rolle von Mikronährstoffen berücksichtigt.

Im Interview: Dr. Wolfgang Köhler beantwortet die wichtigsten Fragen zur Schilddrüsenunterfunktion
Welche Ursachen kann eine Schilddrüseunterfunktion haben und wie wird sie behandelt?
Dr. Wolfgang Köhler: Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen einer künstlich hervorgerufenen Unterfunktion (etwa durch einen operierten Kropf) und einer körperlichen Erkrankung durch eine Funktionsstörung der Schilddrüse selbst bzw. einer gestörten Hormonproduktion. In seltenen Fällen ist eine Schilddrüsenunterfunktion angeboren. Bei Neugeborenen wird deshalb auch in den ersten Lebenstagen ein Bluttest gemacht, um neben anderen Stoffwechselerkrankungen auch eine Unterfunktion frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Ansonsten wären massive Fehlentwicklungen die Folge.
Welche Symptome treten bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) auf?
Dr. Wolfgang Köhler: Eine Unterfunktion ist nicht so leicht festzustellen, weil es keine klassischen Symptome gibt bzw. die Anzeichen sehr unspezifisch sind:
• Müdigkeit und Frieren
• Gewichtszunahme aus unerklärlichen Gründen
• verlangsamte Verdauung und Verstopfung
• Niedergeschlagenheit bis hin zu depressiven Verstimmungen
• schlechte Haut, Wassereinlagerungen
• unerfüllter Kinderwunsch & Unfruchtbarkeit
Das bedeutet für die Patienten daher oft einen längeren Leidensweg. Und teilweise können diese Symptome auch bei Nebennierenproblematiken auftreten oder bei verschiedener Mikronährstoffmängel. Umgekehrt wiederum werden Schilddrüsenfehlfunktionen diagnostiziert, weil zum Beispiel ein massiver Mikronährstoffmangel vorliegt.
„Wichtig ist daher ein möglichst breiter Check, bei dem der Arzt auch links und rechts blickt. Daher sollten neben den Schilddrüsenwerten auch Mikronährstoffe wie zum Beispiel Vitamin D und die Eisenversorgung im Körper analysiert werden.“
Diagnose: Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt?
Dr. Wolfgang Köhler: Im ersten Schritt wird eine Blutuntersuchung durchgeführt. Der TSH Wert lässt Rückschlüsse auf eine Unterfunktion zu. Ist er zu niedrig, kann eine Störung von Hypothalamus (unsere „Schaltzentrale“) oder Hypophyse (Hirnanhangdrüse) vorliegen. Ist der TSH Wert erhöht, arbeitet das Schilddrüsengewebe nicht richtig. Außerdem sollten die Schilddrüsenhormone T3 und T4 untersucht werden. Werden Schilddrüsenantikörper festgestellt, könnte das ein Hinweis auf die chronische Schilddrüsenentzündung Hashimoto-Thyreoiditis sein.
Im zweiten Schritt kann ein Ultraschall Hinweise auf eine mögliche Fehlfunktion durch eine Entzündung der Schilddrüse geben, wenn die Schilddrüse am Bild dunkel erscheint. Eine Szintigrafie kommt bei einem festgestellten Schilddrüsenknoten zum Einsatz: Hierbei bekommt der Patient eine geringe Menge schwach radioaktive Substanz.
Mehr Infos zur Schilddrüsenuntersuchung und welche Werte dabei genau gecheckt werden können Sie hier weiterlesen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Schilddrüsenunterfunktion?
Dr. Wolfgang Köhler: Die Form der Behandlung ist von der Stärke der Unterfunktion abhängig: Bei einer starken Unterfunktion ist eine hormonelle Behandlung jedenfalls erforderlich. Patienten haben dabei oft Angst vor einer Hormoneinnahme, da sie diese mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung bringen. Das gilt allerdings nicht für Schilddrüsenhormone. Das Um und Auf ist auch die richtige Dosierung bzw. das Herantasten an eine gute Einstellung.
Expertentipp:
Ich setze bei meinen Patienten auch auf natürliche Schilddrüsenhormone (NDT). Es handelt sich dabei um Extrakte von Schweinen, die aus meiner Sicht eine gute Alternative zu synthetisch hergestellten Hormonen darstellen. In Oberösterreich sind wir die einzige Praxis, die NDT einsetzt, wir arbeiten dafür auch intensiv mit Pharmazeuten zusammen. In jedem Fall geht diese Behandlung immer mit umfassenden Voruntersuchungen und einer individuellen Behandlung einher.
Bei leichten Formen einer Unterfunktion kann man durch eine Einnahme von Mikronährstoffen gute Ergebnisse erzielen. Hierbei kommen vor allem Jod, Selen, Kupfer, Zink und Vitamin D zum Einsatz.
Genau darum ist es so wichtig, eine leichte Unterfunktion frühzeitig zu erkennen und richtig zu behandeln. Dann ist sie auch heilbar. Bei einer ausgeprägten Unterfunktion kommt man einer hormonellen Behandlung nicht mehr aus.
Schilddrüsenunterfunktion und Kinderwunsch: Gibt es da einen Zusammenhang?
Dr. Wolfgang Köhler: Schilddrüsen- und Sexualhormone (wie beispielsweise Östrogen) stehen in enger Verbindung und beeinflussen sich. Wenn die Schilddrüsenhormone nicht im Gleichgewicht sind, kann das auch Auswirkungen auf den weiblichen Zyklus haben und somit ein häufiger Grund für eine Unfruchtbarkeit sein. Auch hier ist es wieder wichtig, dass der behandelnde Arzt in alle Richtungen denkt und umfassende Untersuchungen durchführt.
Expertentipp: Was kann ich generell tun, um meine Schilddrüse bestmöglich zu unterstützen?
Dr. Wolfgang Köhler: Ganz wichtig ist die Vermeidung von Stress. Denn andauernde Stressbelastung ist extrem schlecht für die Schilddrüse, da sie ein stresssensibles Organ ist. Auch die Ernährung spielt hier eine wichtige Rolle. Jod- und selenhaltige Speisen sollten regelmäßig gegessen werden (Meeresfische, Paranüsse), eine glutenarme bzw. glutenfreie Ernährung ist sowieso empfehlenswert.
Fazit
Eine Schilddrüsenunterfunktion ist eine häufige, aber oft spät erkannte Stoffwechselstörung, da die Symptome meist unspezifisch und schleichend auftreten. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von operativen Eingriffen bis hin zu Erkrankungen wie Hashimoto. Eine zuverlässige Diagnose erfolgt über Blutwerte und ergänzende Untersuchungen. Je nach Ausprägung kommen unterschiedliche Behandlungsansätze zum Einsatz – von hormoneller Therapie bis hin zu unterstützenden Maßnahmen. Entscheidend sind eine frühzeitige Erkennung, eine individuell abgestimmte Behandlung sowie ein ganzheitlicher Blick auf mögliche Einflussfaktoren wie Mikronährstoffe und Lebensstil.
Häufige Fragen zur Schilddrüsenunterfunktion











